DFG Nord Region Nordheide
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Finnische Literatur auf Deutsch

Jussi, das Skandinavische Krimi Café in Hamburg

 

Jeder der ein Faible für skandinavische Krimis hat, sollte diesen kleinen Laden in Hamburg besuchen! Vor zwei Jahren hat Eigentümerin Bianca Jarske ihren Traum verwirklicht und es ist ihr auch sehr gut gelungen!

 

Nur wenige Minuten von der U-Bahn Station Eppendorfer Baum entfernt, hat Bianca einen kleinen gemütlichen Ort geschaffen, wo man in entspannter Atmosphäre seine Finnischen, Swedischen, Norwegischen, Dänischen und Isländischen Krimis aussuchen kann, die auch alle nach Ländern sortiert sind.

Zahlreiche kleine Tische und Sitzplätze laden dazu ein, ein Stück selbstgebackenen Kuchen zu essen (den gibt es jeden Tag!) und einen Kaffee zu trinken während man die ersten Seiten der neuen Schätze durchblättert.

Eine gute Auswahl an Skandinavischen Kinderbüchern, sowie Reiseliteratur, Postkarten und auch andere Romane aus Skandinavien gibt es auch.

Auf den Regalen entdeckte ich Romane von Sofi Oksanen, Arto Paasilinna, Tuomas Kyrö und Philip Teir.

An Finnischen Kinderbüchern gibt es u.a. Mumin Bücher, Tatu & Patu, die Ella und Pekka Serien von Timo Parvela und Vilja und die Räuber von Siri Kolu

Neue Krimis die Bianca empfiehlt sind Finnische Kälte von Taavi Soininvaara (Band 8 von der Arto Ratamo Reihe) sowie einige (noch) unbekanntere Norweger wie z.B. Winterfest von Jørn Lier Horst, Kalte Wahrheit von Jan Mehlum, Der Mahlstrom von Frode Granhus (spielt auf den Lofoten, hoch im Norden) und Totenmaler und Knochen von Eystein Hanssen.

Und selbstverständlich kann man hier auch jedes andere Buch bestellen das man haben möchte!

 

Für mehr Information:

http://www.jussi-krimicafe.de

 

Ein Blick in den Veranstaltungskalender lohnt sich auch. Am 27. November gibt es eine Lesung mit Hamburger Weihnachts-Krimis bei Jussi…

 

Fredrika Wilhelmina Carstens

Der Efeu. Ein Briefroman

(Original: Murgrönan)

Übersetzt a.d. Finnlandschwedischen von Nadine Erler

Verlag 28 Eichen, 277 Seiten

 

 

Nachdem Nadine Erler die wichtigsten Werke von Minna Canth ins Deutsche übersetzt hatte, fing sie an, sich für den ersten Roman der in Finnland erschien, zu interessieren. Dieser war Murgrönan von Fredrika Wilhelmina Carstens und wurde 1840 publiziert. (F. Carstens hat das Buch auf Schwedisch geschrieben aber es wurde erst 2007 ins Finnische (Muratti) übersetzt!)

 

Die ersten paar Seiten fand ich ein wenig zäh, aber danach war ich in der Geschichte drin und habe das Buch in wenigen Tagen durchgelesen.

Der Roman ist in Form von Briefen geschrieben – an eine Freundin von der jungen verwaisten Mathilda, die eine Stelle als eine Art Gesellschaftsdame bei einer Freifrau in einer anderen Stadt bekommt. Dort lernt sie die feine Gesellschaft kennen, die sie genauestens beschreibt, oft mit einer leicht bissigen Art, und nicht ohne Humor. Obwohl die Heldin jung und ziemlich naiv ist, wird sie mit vielen pikanten, unbequemen, aufregenden und auch tragischen Ereignissen konfrontiert. Und natürlich sind die jungen Frauen im Buch sehr mit Liebesfragen beschäftigt. (Die Männer oft auch…) Jane Austen kam mir in den Sinn.

 

Ich mochte die opulenten Beschreibungen der Häuser, Bälle, Kleider, Essen und anderen Details sehr.

 

Der Roman war eine positive Überraschung. Das hatte ich nicht so erwartet, als ich ihn zuerst sah, weil der Einband mein Interesse nicht geweckt hätte, hätte ich ihn auf einem Tisch im Buchladen gesehen.

 

Also, von Äußerlichkeiten nicht beeinflussen lassen, sondern das Buch bestellen, und in die Welt der Oberklassen in Finnland und Schweden im 19. Jahrhundert eintauchen. (Und herausfinden welche Bedeutung der Efeu des Titels in der Geschichte hat.)

 

 

ISBN: 978-3-940597-78-6

 

€18,50

 

www.verlag28eichen.de

 

 

 

Finnland war ja dieses Jahr Gastland auf der Frankfurter Buchmesse und das Motto da war FINNLAND.COOL.

 

Es war alles sehr spannend da, mit den ganzen Autoren, Events, Bücher usw. - aber noch cooler war, dass die Finnische Autorin, Selja Ahava, am 15. Oktober bei uns in Buchholz las.

Die Veranstaltung war in der Holmer Mühle und circa fünfzig Leute kamen hin, natürlich auch mehrere Finnen die sich freuten, Texte auf Finnisch hören zu dürfen.

 

Seljas wunderbarer Roman Der Tag an dem ein Wal durch London schwamm (Eksyneen muistikirja) bringt einem zum nachdenken und - auch wenn ein melancholischer Unterton immer zu spüren ist – auch öfters zum schmunzeln. Es ist eine sehr vielschichtige Geschichte und man könnte wirklich Stundenlang darüber reden.

 

Selja erzählte unter anderem über die Insel im Buch, die tatsächlich in ihrer Familie seit vier Generationen existiert, wie sie für die Geschichte recherchierte, und, dass sie nach einem burnout sich selber buchstäblich wieder ins Leben schrieb - mit diesem Roman. Viele Leute sind überrascht, dass die Autorin so jung ist, weil sie bestimmte Situationen so gut beschreibt, die sie selber noch gar nicht kennen kann. Und nachdem sie erklärte wie der Deutsche Titel zustande kam, fügte sie lächelnd hinzu, dass sie sich schon ein wenig geärgert hat, nicht selber darauf gekommen zu sein! Es war nämlich der Deutsche Verlag, mare, der diesen Titel ausdachte. (Auf Finnisch heißt das Buch so viel wie „Notizbuch eines Verirrten“.)

 

Es freute mich sehr zu hören, dass Selja an einem zweiten Buch arbeitet, das schon Anfang 2015 auf Finnisch erscheinen soll!

 

Mehr über Seljas Buch: auf Deutsch weiter unten auf dieser Seite oder auf Englisch hier.

 

Tove Jansson

09.08.1914 – 27.06.2001

 

 

Tove Jansson und die Mumins. Es ist unmöglich, sie unabhängig von einander zu betrachten, aber nachdem ich die neue Biografie über einer von Finnlands berühmtesten Künstlern las, wurde mir klar, wie viel mehr Tove Jansson war. Die Mumins kamen etwas später, nachdem sie Kunst studierte und mit Illustrationen und das Malen anfing.

 

Freiheit war für Tove am allerwichtigsten. Die Freiheit zu leben und malen so wie sie das wollte. Sehr früh war ihr schon klar, dass eine Familie eher ein Hindernis wäre - man würde zu viel Zeit und Energie investieren müssen, und die Kunst würde dann zu kurz kommen. Sie war auch sehr mutig für ihre Zeit, hatte Liebhaber (oder zwei) - Männer und Frauen – und lebte generell so wie sie wollte und nicht wie die Konventionen diktierten.

 

Die ersten Mumin Figur Ideen hatte sie schon vor dem Krieg und das erste Buch Muumit ja suuri tuhotulva (Mumins Lange Reise) schrieb sie während des Winterkrieges in 1939/40, das dann in 1945 publiziert wurde. Danach folgten mehrere Bücher und Comics und jetzt gibt es Mumins überall. Textilien, DVDs, Spielsachen, Becher usw. Da sie eine Schwedisch sprechende Finnin war, schrieb sie ihre Bücher auch auf Schwedisch und sie wurden teilweise erst viel später ins Finnische übersetzt.

 

 



Drei Neuerscheinungen:

Tuula Karjalainen

Tove Jansson. Die Biografie (Finnish: Tove Jansson. Tee työtä ja rakasta)

(übersetzt von Anke Michler-Janhunen und Regine Pirschel)

Urachhaus

Erscheint: 01. Juli 2014

 

Eine neue Biografie über die talentierte Künstlerin und Schriftstellerin Tove Jansson (1914 – 2001) mit vielen Bildern und Fotos.

 

 

Ulla-Lena Lundberg

Eis

(übersetzt von Karl-Ludwig Wetzig)

Mare, 528 Seiten

Erscheint: 05.August 2014

 

Ulla-Lena Lundberg ist eine Finnlandschwedische Autorin.

Buchbeschreibung von der Mare Seite (wo es auch eine Leseprobe gibt):

So etwas haben die windumtosten Örar-Inseln, ein Archipel abseits der Schiffsrouten zwischen Finnland und Schweden, noch nicht erlebt: Mit der Ankunft ihres neuen Pfarrers Petter Kummel Mitte der 1940er-Jahre bricht für die Inselbewohner eine ganz neue Ära an. Die Fischer und Bauern verfallen der optimistischen, aufgeklärten Ausstrahlung des jungen Pastors, seiner Frau Mona und ihrer kleinen Tochter Sanna ebenso schnell wie umgekehrt die Pfarrersfamilie dem rauen Charme der Landschaft und ihrer Gemeinde. Am liebsten möchten die Kummels für immer bleiben. Doch auf dem Meer und dem Eis, das im Winter die Kirchinsel mit den Höfen verbindet, herrschen unsichtbare, uralte Mächte, für deren Warnungen die Zugezogenen keinen Sinn zu haben scheinen . . .
Mit der Meisterschaft einer großen Erzählerin lässt Ulla-Lena Lundberg ihre Leser am Eheleben von Petter und Mona teilhaben, an Versuchungen, denen der Pastor ausgesetzt ist, an schwelenden Konflikten zwischen den Ost- und den Westdörfern, aber auch am Zusammenhalt einer Gemeinschaft, die für ihre Klatschlust genauso berühmt ist wie für ihren kräftigen Gesang. Der Autorin gelingt das Kunststück, hochspannend von etwas scheinbar Unspektakulärem zu erzählen: vom Glück, das im Familienleben und in den Dingen des Alltags liegen kann. Wie spektakulär dieses Glück in Wirklichkeit ist, erweist sich am Ende erst durch seine Zerbrechlichkeit.

http://www.mare.de/index.php?article_id=3937&setCookie=1

Pasi Ilmari Jääskeläinen

Lauras Verschwinden im Schnee (Finnisch: Lumikko ja yhdeksän muuta)

Aufbau Verlag

Erscheint: 12. September 2014

 

Laura Lumikko ist eine beliebte Kinderbuchautorin. Während ihr winterliches Fest passiert allerdings etwas völlig Unerwartetes.

Vor drei Jahrzehnte, hatte sie versprochen, zehn talentierte Kinder aus dem Ort auszuwählen und sie zu Autoren zu schulen. Neun hat sie damals gefunden und jetzt sind diese erfolgreichen Autoren eine Gemeinschaft mit eigenen Regeln.

Jetzt, Jahre später, bekommen sie ihr zehntes Mitglied und das Spiel - einer ihrer meist behüteten Geheimnisse - fängt wieder an. Die Autoren werden mit der Vergangenheit konfrontiert, etwas was sie glaubten, buchstäblich vergraben zu haben.

Eine vielschichtige Geschichte mit magischen Elementen und schrägen Charakteren.

Leseempfehlung von Katja Staats von der Buchhandlung Slawski in Buchholz:

 

Selja Ahava

Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm

(Original: Eksyneen muistikirja, Gummerus 2011)

 

Die junge finnische Autorin Selja Ahava schafft mit Der Tag, an dem ein Wal durch London schwamm einen wunderbaren Roman über das Erinnern und Vergessen.


Anna, die Protagonistin, wächst in Finnland auf. Sie findet die Liebe ihres Lebens, Antti, ein Filmemacher, der sich auf die Dokumentation des Lebens von Wolfskindern spezialisiert hat, mit dem sie im Sommer auf einer kleinen Insel lebt. Anna und Antti sind glücklich, teilen gleiche Leidenschaften (z.B. das Schreiben von Listen), jedoch bekommen sie keine Kinder und ein Schicksalsschlag beendet ihre Beziehung und alles bisher Dagewesene von einer Sekunde auf die andere. Antti verunglückt tödlich bei einem Verkehrsunfall. Annas Welt gerät völlig aus den Fugen. Sie schafft es irgendwie sich wieder zu fangen und geht fort aus der Heimat. Fort von der Insel. Fort von der Trauer – um zu vergessen. Anna muss in Bewegung bleiben.


Dieses Motiv taucht an vielen Stellen auf. Sie geht. Schließlich geht sie nach London, lernt Thomas kennen und zieht mit ihm zusammen. Sie scheint wieder zur Ruhe zu kommen, doch Annas Welt ist nur scheinbar wieder in Ordnung. An vielen Stellen hat Anttis Tod schwere Spuren hinterlassen und eine Sehnsucht nach einem anderen Leben. Dies wird besonders deutlich, als Annas sechs imaginierte Kinder auftreten. Sie tauchen zu verschiedenen Begebenheiten an verschiedenen Orten auf und erinnern Anna an die Zeit mit Antti und wie alles hätte werden können, wenn das Schicksal es anders gewollt hätte. Anna verlässt Thomas, indem sie einfach eines Tages losgeht und nicht wieder umkehrt. Sie geht, geht, geht... um des Vergessens Willen. Sie schläft in der U-Bahn und im Flughafen. Als sie schließlich wieder allein in eigenen vier Wänden lebt, wirft sie erneut der Tod aus der Bahn. Sie findet im Wald eine Frauenleiche. Ab hier wird Annas Wunsch nach dem Vergessen Realität. Ihr Weg in die Demenz beginnt und schließlich kommt sie in ein Pflegeheim.


Das Ambivalente Verlangen nach Erinnern und Vergessen ist das zentrale Motiv des Romans von Selja Ahava. Nicht chronologisch, sondern wie das Erinnern selbst, in aneinander gereihten Episoden, erzählt dieses wunderbar leise Buch vom Leben. Von Wahrheit, Realität, Trugbildern, Sehnsüchten und Ängsten. Und es zeigt auf ganz großartig poetische Weise, wie jemandem das eigene Leben und die eigene Realität langsam abhanden kommen. Die Umschreibungen der Lücken, die sich im Gedächtnis auftun und der Unsicherheit, die mit ihnen einhergehen gelingen hier so, als wäre es das leichteste auf der Welt, diese Reise fort von sich selbst, zu beschreiben.


Ein großartiges Buch zu einem schwierigen Thema, das sehr aktuell viele Menschen betrifft und welches es auch schafft, Verständnis zu vermitteln und Einblicke zu geben, ohne das Erinnern oder Vergessen als Makel zu betrachten.

Geeignet ist dieser sprachlich wunderschöne Roman meiner Meinung nach hauptsächlich für Frauen. Das Alter ist schwierig festzulegen. Man sollte jedoch schon gern und viel lesen, um mit den Sprüngen in der Zeit und der umschreibenden Sprache nicht überfordert zu sein.

 

 


 

Leo Ågren

Leo Nilheims Geschichte

(Original Titel: Krigshistoria – übersetzt a.d. Schwedischen von Erik Glossmann)

Osburg Verlag Hamburg 2014

 

In 1958 in Leningrad lernt Leo Ågren (ein Finnland-Schwedischer Autor) einen russischen Dolmetscher namens Leo Nilheim kennen und schreibt nachher seine Geschichte nieder. Über seine Kindheit in einem kleinen Dorf, wie der Eber Rasputin nach Sibirien verfrachtet wurde und vor allem über den Krieg. Erst über die Zeit als er im bitterkaltem Winter gegen die Finnen kämpfen musste und dann von seiner Zeit als Kriegsgefangener, erst als Holzarbeiter im Lager und dann als Helfer bei einem Bauer in Österbotten.

Das wird alles mit knappen Worten beschrieben, nüchtern skizziert mit einem Detail hier und da und oft sind es nur Andeutungen. Aber das reicht. Der Hunger. Die Kälte. Die Müdigkeit.

“Und manchmal ertappte man sich dabei, wie man die beneidete, die nur fallen mussten.”

Der Krieg wird vom Sichtpunkt des einfachen Soldaten beschrieben, und da ist nichts heldenhaftes dabei. Ågren schreibt mit einer Prise ironischem Humor der hin und wieder zum schmunzeln bringt, trotz des Themas. „Später erfuhr ich, dass er befürchtet hatte, einen religiösen Russen erwischt zu haben, denn mit Gebeten ging ihm schon seine Frau auf die Nerven.“

 

Das ist ein schmales Buch, nur 148 Seiten. Es lohnt sich auch, das Nachwort des Übersetzers, Erik Glossmann, zu lesen.

 


 

19. März 2014

 

Minna Canth (1844 – 1897)

 

Mein Finnischer Kalender zeigt, dass heute Minna Canth Tag / Tag der Gleichberechtigung ist. Minna Canth war eine Finnland-Schwedische Schriftstellerin die zahlreiche Novellen, Theaterstücke und Artikel schrieb. Ihre Hauptthemen waren Gleichberechtigung, Armut und die Folgen von Alkoholismus. Sie schrieb während sie ein Geschäft führte und sieben Kinder nach dem Tod ihres Mannes alleine großzog. Ihr Haus in Kuopio diente auch als eine Art Salon wo Dichter und Intellektuelle sich trafen.

Minna Canths Ansichten waren damals kontrovers und ihre Meinungen als radikal gesehen, aber glücklicherweise hatte sie keine Angst sie zu äußern! Das Theaterstück Die Frau des Arbeiters (Työmiehen Vaimo) von 1885 erzählt von einer Frau deren Mann das ganze Geld weg säuft und sie kann nichts dagegen machen - damals hatten verheiratete Frauen keine Kontrolle über ihr eigenes Geld und Einkommen! Das wurde aber in 1889 geändert.

Finnland war auch das erste Land das komplette Gleichberechtigung einführte, wo alle das aktive und passive Wahlrecht hatten (1906).

 

 

 

 

 

05. Februar 2014

Heute ist der Geburtstag von Johan Ludvig Runeberg (1804 - 1877) und ich muss zugeben, der einzige Grund warum ich mich daran erinnern kann ist weil man in dieser Zeit Runeberg Törtchen backt oder kauft... Diese Verbindung zwischen bestimmten Gerichten und Feiertagen ist eine sehr wirkungsvolle Gedächtnisstütze! Frederika Runeberg, seine Frau, hat dieses Törtchen erfunden.

Runeberg ist der Nationaldichter Finnlands (auch wenn er auf Schwedisch schrieb!) und sein berühmtestes Werk ist Vänrikki Stoolin Tarinat (Fähnrich Stahl), das auch den Krieg mit Russland (1808-09) beschreibt, an deren Ende Finnland zum Großfürstentum Russlands wurde (von 1809-1917). Maamme (Unser Land) ist das erste Gedicht in diesem Werk und wurde Finnlands Nationalhymne.

Rosa Liksom und Kjell Westö in Hamburg

Es scheint eine spannende Woche in Hamburgs Literaturhaus zu sein. Insgesamt elf Schriftsteller aus den nordischen Ländern sind zu den 14. Nordischen Literaturtagen gekommen, die alle zwei Jahre stattfinden. Die Veranstaltungen für Per Olov Enquist (Das Buch der Gleichnisse. Ein Liebesroman) und Jostein Gaarder (2084. Noras Welt) waren schon vor den Lesungen ausverkauft.

Aber auch am Dienstagabend war es sehr voll – mindestens 120 Personen waren dabei als Rosa Liksom und Kjell Westö ihre Bücher vorstellten. Moderiert hat Stefan Moster, ein Deutscher der in Finnland lebt und Abteil Nr. 6 übersetzt hat. Die deutschen Texte wurden von der Schauspielerin Katja Danowski gelesen.

 

Rosa Liksoms Buch Abteil Nr. 6 erzählt über eine Reise von Moskau nach Ulan Bator in der Transsibirischen Bahn. Eine junge Finnin muss das Abteil mit einem kriminellen Russen teilen. Er erzählt und sie schweigt. Rosa Liksom erzählte, dass ihre Liebe zu Russland mit fünfzehn begann als sie mit einem so genannten Wodkatourist-Bus von Rovaniemi nach Murmansk fuhr. Sie sagte, wenn ein Mädchen das mitten im Wald aufgewachsen ist (sie kommt aus einem Dorf in Lappland wo es nur acht Häuser gab) das erste Mal die Lichter einer Großstadt sieht, verliebt sie sich in dieser Stadt. Und in ihrem Fall war dieser Großstadt, nun ja…Murmansk…

Katja Danowski las Passagen aus dem Roman und die Stimme des Russen las sie mit russischem Akzent – wirklich super - und während man ihr zuhörte, war man selber drin, im Abteil Nr. 6 (das Literaturhaus hätte nur ein Paar Wodka Flaschen kreisen lassen müssen, dann wäre die Stimmung perfekt gewesen).

 

Kjell Westö (der fließend Deutsch spricht!) ist ein populärer finnlandschwedischer Autor und sein Buch Geh nicht Einsam in die Nacht ist eine Art Jules & Jim Geschichte die ihre Anfänge in den 60er Jahren in Helsinki hat. Es erzählt über eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen zwei sehr unterschiedlichen Jungs. Musik spielt eine große Rolle und der Moderator meinte, es wäre als ob es eine Art Soundtrack durch das ganze Buch spielte.

 

Da ich die Bücher (noch nicht) gelesen habe, habe ich die Beschreibungen von den Verlagen unten eingefügt. Aber beide Geschichten hörten sich so interessant an, dass sie ganz oben auf meinen Lesestapel kommen.

 

Übrigens, der Moderator, Stefan Moster, ist nicht nur Übersetzer, sondern auch selber Schriftsteller. Sein neues Buch, Die Frau des Botschafters, habe ich auf der Buchmesse gesehen und durchgeblättert und es sieht auch gut aus. Und ist auch über Finnland!

 

Also, die langweiligen Weihnachtsferien sind hiermit gerettet. J

Zum selber lesen und als Weihnachtsgeschenke für Freunde und Verwandte:

 

Rosa Liksom

Abteil Nr. 6

224 Seiten

ISBN: 978-3-421-04583-6

Rosa Liksom hat auch eine eigene Website: http://www.rosaliksom.com/home

 

 

Kjell Westö

Geh Nicht Einsam in die Nacht

704 Seiten

ISBN: 978-3-442-75282-9

 

Stefan Moster

Die Frau des Botschafters

320 Seiten

ISBN: 978-3-86648-170-1 

 

 

 

Text von der DVA Seite über Rosa Liksoms Abteil Nr. 6

Mit Wodka, Knoblauch und einem Ex-Knacki durch die Weiten Sibiriens

Draußen vor dem Zugfenster ziehen die unendlichen Weiten Sibiriens vorbei, drinnen im Abteil Nr. 6 ist es beklemmend eng. Die finnische Archäologiestudentin sitzt nur eine Armeslänge entfernt von einem mit allen schmutzigen Wassern gewaschenen Russen, und aus der erhofften beschaulichen Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn wird ein Höllentrip. Eine Woche, in der sie notgedrungen schweigt, denn er reißt vulgäre Witze und erzählt von Vergewaltigungen, Schlägereien und dem Mord, für den er im Gefängnis saß. Je mehr Wodka er trinkt, desto krasser werden die Geschichten, denen die junge Frau ausgeliefert ist. Und doch entwickelt er echte Fürsorge für seine Mitreisende, teilt mit ihr Salzgurken, Zwiebeln und Schwarzbrot – bis er ihr das Wertvollste schenkt, das er besitzt: das Messer, mit dem er einen Menschen erstochen hat. Rosa Liksom erzählt in diesem Kammerspiel die Geschichte einer schonungslosen Freundschaft – ein preisgekrönter Roman, der wie russische Spezialitäten das Süße, Saure und Salzige kombiniert.


Text von der btb Seite über Kjell Westös Geh Nicht Einsam in die Nacht

Helsinki, in den bewegten 68ern. Jouni, Ariel und Adriana könnten unterschiedlicher nicht sein und sind doch Freunde. Jouni kann sowohl reden als auch zuschlagen, er ist ein Mann mit einem ausgeprägten Sinn für Karriere. Ariel ist das genaue Gegenteil, ein stotternder Träumer mit musikalischem Talent. Zwischen ihnen steht Adriana: scharfsinnig, selbständig und nervös. Sie ist die treibende Kraft des Trios. Es ist ihre Idee, dass die drei eine Band gründen, eine Art finnische Variante von Peter, Paul & Mary - und für eine Weile leben sie eine ménage a trois wie im Film Jules et Jim. Aber dann trennen sich ihre Wege. Jouni geht in die Politik, Adriana wird zunehmend von Ängsten geplagt, und Ariel versinkt in seiner Drogensucht und geht nach Stockholm, wo er spurlos verschwindet. 
Zwanzig Jahre später beginnt ein Mann namens Frank Loman zu recherchieren, was mit den drei Freunden geschehen ist. Es gibt Berührungspunkte, nicht zuletzt ist er rettungslos in Adrianas jüngere Schwester Eva verliebt. Doch das ist nicht alles, sein eigenes Leben ist auf ungeahnte Art in vielem eine Fortsetzung ihrer Lebenswege...


Text von der Mare Seite über Stefan Mosters Die Frau des Botschafters

Die Freundschaft zwischen Klaus und Oda, der Frau des Botschafters, beginnt mit einem Fisch. Eines Abends legt ihn der Fischer auf den Steg der deutschen Botschaft in Helsinki, deren Garten an die Ostsee grenzt. Oda war früher Fernsehredakteurin, jetzt repräsentiert sie Deutschland an der Seite ihres
Mannes. Klaus, der allein in einem Holzhaus am Meer wohnt und sich selbst zu genügen scheint, eröffnet eine Gegenwelt zum Diplomatenleben, in dem Oda die Tage oft lang werden. Vor allem sehnt sie sich nach ihrem Sohn Felix, der in einem Heim in Deutschland lebt. Eines Tages fasst Oda einen tollkühnen Plan:
Sie will ihrem Sohn das einzigartige Licht auf den zugefrorenen Buchten vor der Küste Helsinkis zeigen. Mit Klaus als Komplizen macht sie sich auf den Weg, ohne dass irgendjemand anderes von ihrem Vorhaben weiß. 
Die bewegende Geschichte einer ungleichen Freundschaft, einer Ehe und der Liebe einer Mutter zu ihrem Kind. Ein elegant erzählter Roman über die Entwicklung einer Frau und die Frage, was es heißt, Mensch zu sein - getaucht in das berückende Licht des Nordens.

 

 

 

 

Tuomas Kyrö

Bettler und Hase (original: Kerjäläinen ja Jänis)

Übersetzer: Stefan Moster

Hoffmann & Campe 2013

 

Eine Entdeckung aus Finnland: scharfsinnig, schräg und zum Schreien komisch.

Der rumänische Bettler Vatanescu und der knapp dem Tod entronnene Hase, der eigentlich ein Kaninchen ist, ziehen auf der Suche nach dem Glück durch Finnland. Sie begegnen integrierten Vietnamesen, kriminellen Ukrainern, trinklustigen Saunagängern und überambitionierten Polit-Aktivisten. Eine grandiose Mischung aus Roadmovie, Sozialsatire und modernem Märchen. Tuomas Kyrö hat mit seinem Roman, der in elf Länder verkauft wurde, die Beststellerlisten gestürmt.

 

(Text von der Hoffmann & Campe Seite, wo man auch die ersten paar Seiten des Buches lesen kann)

 

Riikka Pulkkinen

Wahr (original: Totta)

Übersetzt von Elina Kritzokat

List 2012

 

„Ich muss von meinem Leben erzählen, das wird mir in letzter Zeit immer klarer. Wenn ich es nicht selbst tue, dann erzählt niemand davon“, sagt Elsa Ahlqvist kurz vor ihrem Tod. Was sie erzählt, wird das Leben ihrer Familie verändern, allen voran das ihrer Enkelin Anna. Denn Elsa entscheidet sich für die Wahrheit. Sie berichtet von dem schmerzhaften Ereignis, an dem sie beinahe zerbrochen wäre. Und Anna erkennt, dass sie endlich ihr Leben angehen muss, weil sie allein dafür verantwortlich ist.

 

(Text von der Ullstein Buch Verlage Seite)

 

Wer über die dunklen Seite Finnlands lesen möchte, kann die Krimis von James Thompson in die Hand nehmen. Thompson ist ein Amerikaner der seit Jahren in Finnland lebt, da studiert hat und mit einer Finnin verheiratet ist.

 

James Thompson

Eis Engel (Schauplatz ist Levi, ein Ski Resort in Lappland)

(Original: Snow Angel)

 

Totenwinter

(Original: Lucifer's Tears)

 

Das dritte Buch habe ich nicht auf Deutsch gefunden. Im Original heisst es:

Helsinki White

 

Bei Krimi Couch kann man Krimis nach Schauplatz suchen. Stichwort Helsinki ergab folgende Liste:

 

http://www.krimi-couch.de/krimis/page,dr-watson,setting,Finnland+;+Helsinki.html

Aktuelles

 

 

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© Liisa Wilker