DFG Nord Region Nordheide
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Meine vier Wochen in Finnland

von Nora-Frederike Hoffmann (15 J.)

 

See in Forssa

Finnland - das Land des Weihnachtmannes, der Mumins und der Sauna. Warum ich mich für Finnland entschieden habe? Ich glaube, es war vor allem die Schulform, die mich so angesprochen hat. Außerdem hat meine Heimatstadt Buchholz (Nordheide) eine Finnische Partnerstadt, Järvenpää, wodurch ich auch einiges von Finnland mitbekam. Unsere finnischen Bekannten haben viel von Finnland erzählt und mich überzeugt.

Bereits ein halbes Jahr vor meiner Abreise begann ich privaten Finnisch Unterricht von einer Finnin zu nehmen.

Ich habe mich im Dezember 2012 bei der Deutsch-Finnischen Gesellschaft beworben und wurde im Februar 2013 angenommen. Da ich bei meiner Bewerbung als Interessen Reiten, Natur und Musik angegeben hatte, wurde ich einer Gastfamilie mit den gleichen Interessen zugeteilt. Meine Gastfamilie hatte ein großes Grundstück in mitten von Feldern und Birkenwäldern in der Nähe des kleinen Dorfes Ypäjä im Süden Finnlands. Auf den 5 Pferden meiner Gastfamilie konnte ich reiten wann ich wollte; die Umgebung war ein wunderschönes Ausreitgelände.

Davy und ich vor dem Turku Schloss

Auf dem Hof meiner Gastfamilie wurde es nie langweilig. Ob ich mit meiner Gastoma Toini traditionelle finnische Gebäckarten wie Pulla gebacken habe, mit dem Nachbarn zusammen den Zaun repariert habe oder meiner Gastmutter Eija beim Versorgen und Trainieren ihrer Bordercollies geholfen habe. Sie trainiert nämlich Bordercollies für internationale Hundeshows. Natürlich hatte meine Gastfamilie auch eine Sauna und an meinem letzten Abend bekam ich eine traditionelle finnische Sauna vorbereitet, bei der man sich vor dem Saunagang mit einem nassen Birkenzweig (auf Finnisch vihta) abtupft. Es ist sehr erfrischend und angenehm. Und dann hat meine Gastfamilie noch so viel mit mir unternommen. Wir waren öfters in Turku- die Stadt, in der jedes Jahr der Weihnachtsfrieden ausgerufen wird. Meine Gastmutter ist in Turku aufgewachsen und zeigte mit die Stadt. Dort haben wir unter anderem das berühmte Turku Schloss besichtigt. Natürlich waren wir auch in Helsinki, wo wir den Linnanmäki Freizeitpark besucht haben. Ein Tagesausflug mit einer Fähre führte uns nach Tallinn, die estländische Hauptstadt. An einem Tag durfte ich sogar den größten Reitstall Finnlands besuchen, auf dem Hevosopisto Ypäjä. Eine Freundin meiner Gastmutter ist dort Lehrerin und hat mir alles gezeigt.

Zwei Schülerinnen aus meinem Kunstkurs arbeiten an ihrem Portfolio

Ich hatte zwei Gastschwestern in meinem Alter, Yesica und Jenni, mit denen ich viel unternehmen konnte. Wir sind gemeinsam ausgeritten, haben Musik gemacht (meine Gastschwestern haben gesungen, eine Freundin hat Cello und ich Geige gespielt), haben DVDs geschaut, sind ins Kino oder aufs Dorffest gegangen oder haben gekocht. Auch mit meinem Gastbruder Davy habe ich mich sehr gut verstanden. Ich habe mich wie ein Teil der Familie gefühlt.

Meine Schule, das Kosken Lukio (das Lukio geht von der 10. bis zur 12. Klasse und ist so etwas wie die Oberstufe) fing um 08.55 Uhr an und ging bis 15.00 Uhr oder 15.45 Uhr. Jeden Morgen wurde ich mit dem „koulukuljetus“ abgeholt und nachmittags wieder an unserer Straßeneinfahrt ausgesetzt. Ich konnte erstaunlich viel verstehen, was ich gar nicht gedacht hätte. Das lag aber sicherlich auch an meinen netten Banknachbarinnen, die mir fast alles auf Englisch erklärt haben. In Mathe konnte ich sogar meiner Sitznachbarin das Thema erklären, wir hatten es nämlich schon. In Finnland haben die Lehrer ihre eigenen Räume, also mussten wir nach jeder Doppelstunde in einen anderen Raum gehen. Die Fächer, die ich gewählt habe, waren Kunst, Musik, Sport, Psychologie, Mathe und Englisch. Wir hatten alle Fächer 6 Stunden die Woche, außer Sport (2 St.). Kunst war mein Lieblingsfach dort. Wir haben viel mit Acryl- und Ölfarben gemalt und verschiedene Techniken ausprobiert. Musik hat mir aber auch gut gefallen. Ich hatte meine Geige mit und hatte auch mit einer kleinen Schulband einen Auftritt.

Es wird ja oft gesagt, Finnen seien schüchtern und wollen lieber alleine gelassen werden. Das habe ich allerdings überhaupt nicht so empfunden. Man musste schon auf sie zugehen, wenn man Freunde finden wollte, aber das ist ja nicht anders als in Deutschland. Sie waren z.B. schon gleich stolz wenn man sagen konnte: „Hei, minä olen Nora. Kuka sinä olet?“ oder „Mitä kuuluu?“ und haben manchmal auch probiert, mit mir Deutsch zu sprechen. Sogar die Kleineren waren nicht schüchtern. Für einen Tag habe ich die Grundschule (in Finnland von der 1. bis zur 6. Klasse) meines Gastbruders besucht, um dort unter anderem das Instrument Geige (auf Finnisch viulu) vorzustellen. Sie haben mich einfach auf Englisch, die Erst- und Zweitklässler auf Finnisch, angesprochen und haben insgesamt gar nicht schüchtern gewirkt. 

Oft wurde ich gefragt, was für mich denn der größte Unterschied zwischen Deutschland und Finnland wäre. Ich glaube, es war die Schule. Oder eher das Lernklima in der Schule. Dann wird z.B. im Philosophieunterricht mit Hilfe von Laptops (in der Schule ist übrigens überall freies W-LAN) etwas recherchiert. Juulia und Kyylli müssen erst mal ihre Facebook-Accounts checken. `Oh ein neuer Vine´ `Anne, komm mal´ Die Lehrerin schaut sich das Video an und lacht sich erst mal schlapp. `So, jetzt wird aber gearbeitet´ fügt sie hinterher noch schnell hinzu und Juulia und Kyylli kommen wirklich erstaunlich schnell zu Ergebnissen.

Das war nur ein Beispiel dafür, dass das Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern anders ist als in Deutschland. Dass man sich duzt und mit Vornamen anredet trägt meiner Meinung nach sehr zur Verbesserung des Lernklimas bei. Zudem haben die Lehrer in Finnland einfach mehr Zeit für jeden einzelnen Schüler. Wer gefördert werden muss bekommt Extra-Unterricht. Ich hatte zum Beispiel, zusammen mit einer anderen Austauschschülerin aus Deutschland, 2 Mal wöchentlich zusätzlich Finnisch-Unterricht. Ein großer Vorteil für uns beide war, dass unser Tutor Deutschlehrer war, so konnten wir alle wichtigen Dinge bezüglich der Kurswahlen usw. mit ihm auf Deutsch besprechen.

Ich glaube, der Moment meiner Schulzeit in Finnland, der mir am meisten in Erinnerung bleiben wird, war als im Schulradio das Lied gespielt wurde, was die andere deutsche Gastschülerin und ich uns in der Woche zuvor gewünscht hatten. Es war "Schwarz zu Blau" von Peter Fox. Irgendwie war es ganz schön traurig, da es mein letzter Tag an der Schule war, aber andererseits werde ich diesen Moment nie vergessen.

Die Abschiedsparty. Im Hintergrund Yesica, Jenni und Toini

Am letzten Abend vor meiner Abreise hat meine Gastfamilie mit mir noch eine Abschiedsparty gefeiert. Das war total lieb von ihnen, aber es hat mir den Abschied noch ein bisschen schwerer gemacht. Und mit zwei Rollen Pulla im Gepäck stand ich dann plötzlich am Helsinki Flughafen. Wo waren die 4 Wochen nur geblieben?

 

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